International Coach Federation Deutschland

Welt am Sonntag setzt Coaches mit sektenhaften Manipulatoren gleich

In der Welt am Sonntag vom 16.2.2020 schreibt Anette Dowideit auf S. 16: „Coaching ist das neue Heilsversprechen, seine Gurus füllen Deutschlands hallen. Zigtausende zahlende Kunden hoffen, erfolgreicher, besser zu werden – doch einige zerbrechen daran“. Wir reagierten mit folgendem Leserbrief, der auch auf Linkedin, Twitter und Facebook geteilt wurde:

 

Der Artikel „Die Euphoriker“ warnt dann richtigerweise vor sektenhaften Manipulatoren, die als Massenmotivatoren oftmals hilfesuchenden Menschen finanziellen und emotionalen Schaden zufügen. Leider setzt er die Begriffe Persönlichkeitstrainer, Trainer, Starredner, Motivations-Speaker, Massenmotivator, Persönlichkeitsentwickler, Lebensberater, Anbieter von Wochenendseminaren mit dem Begriff „Coach“ gleich.

Das ist so als würden alle Wurst-, Käse- und Aufstrichfabrikanten mit dem Skandalfleischer Wilke in einen Topf geworfen und behauptet, überall in dieser Branche wimmele es von Ungeziefer in verdreckten Produktionsanlagen.

Seriöser, gut recherchierter Journalismus sieht anders aus.

Die International Coach Federation steht seit 25 Jahren global für ethische Richtlinien und Qualität im Coaching. Es gehören ihr 36000 Coaches an, davon sind über 30000 nach klaren Kriterien zertifiziert. Sehr viele internationale Unternehmen fordern inzwischen von bei ihnen eingesetzten Coaches die Zertifizierung durch die International Coach Federation.

Im Artikel „Die Euphoriker“ äußern Sie Kritik an Verhaltensweisen von Motivations-Speakern, die durch die Ethikrichtlinien und die in der Coachzertifizierung nachzuweisenden Kernkompetenzen der International Coach Federation ausgeschlossen werden. Alle geschilderten Verhaltensweisen würden zu einem Ausschlussverfahren der/des Coach*s beim International Review Board der International Coach Federation führen.

Die ICF definiert Coaching als „partnerschaftlichen und zum Nachdenken anregenden Prozess, der Menschen und Organisationen kreativ dabei unterstützt, ihr persönliches und professionelles Potential zu steigern.“ „Der Coach wird in völliger Übereinstimmung mit dem Klienten erarbeiten/definieren, was dieser im Coachingprozess erreichen und erzielen möchte“ (https://www.coachfederation.de/icf-d/ueber-die-icf.html,  letzter Zugriff 18.2.2020). Ein*e professionelle*r Coach achtet darauf, dass die Zielsetzung eines Coachingprozesses immer vom/von der Klient*in ausgeht und der/die Coach niemals als „Vortänzer oder Vorturner“ (Die Euphoriker, S. 18) agiert. Auch entgrenzter Optimismus, was die Erreichbarkeit von Zielen der Klient*innen angeht, wäre für eine*n professionelle*n Coach nicht angebracht.

Professionelle Coaches bringen keine eigenen Inhalte in die Coachinggespräche mit ein und bieten schon gar keine „Ersatzreligion“ (Die Euphoriker, S. 18). Im Dokument zu den Bewertungsstufen für die ICF-Kernkompetenzen heißt es, unter der ersten Kompetenz „Einhaltung der Ethik-richtlinien und professioneller Standards“, dass „Bewerber  […] diese Kompetenz NICHT [bestehen], wenn sie sich primär darauf konzentrieren, dem Klienten zu sagen, was und wie er etwas zu tun hat. Beratungsmodus“ Bewertungsstufen für die ICF-Kernkompetenzen)

Ein weiteres Kennzeichen eines/r professionellen Coachs ist es, dass er/sie klar erkennt, wann sie Klienten an eine*n Psychotherapeut*in weiterleiten müssen. In den Ethikrichtlinien kann jeder Journalist*in, der/die sich etwas Mühe gibt, lesen: „Als Coach werde ich, wenn es angebracht oder notwendig ist, meinem Klienten die Dienste anderer Professionen vorschlagen“ (coachfederation.de/files/ethische_standards) und auch in den Bewertungsstufen für ICF Kernkompetenzen ist der zweite Satz, dass ein*e Bewerber*in nicht besteht, wenn er/sie „das Gespräch überwiegend auf die Vergangenheit fokussieren, insbesondere auf die emotionale Vergangenheit (Therapiemodus). (coachfederation.de/icf-d/ueber-die-icf).

Sachlich ist es zwar richtig, dass der Begriff Coach nicht geschützt ist, dennoch bietet der größte globale Coachingverband, die International Coach Federation mit ihren Ethikrichtlinien und ihren Zertifizierungsstufen Klient*innen größtmögliche Sicherheit und Qualität. Es gibt drei Zertifizierungsstufen: Associate Certified Coach, Professional Certified Coach, Master Certified Coach. Bei jeder Stufe müssen Weiterbildungsstunden und Coachingerfahrung nachgewiesen werden. Um das Zertifizierungsniveau zu erhalten, müssen alle drei Jahre weitere Fortbildungsstunden nachgewiesen werden. Bei jeder Zertifizierung muss der/die Kandidat*in entweder einem nach genauen Richtlinien akkreditierten Trainingsinstitut oder dem unabhängigen Assessor*innenteam der ICF Coachingaufnahmen einreichen, die nach den Kernkompetenzen geprüft werden. (coachfederation.org/icf-credential).

„Die Euphoriker“ vergleicht qualitätsgeprüfte, ökozertifizierte Äpfel mit Pferdeäpfeln. Das ist vor allem für diejenigen sehr schade, die durch eine qualitativ hochwertige Begleitung durch eine*n Coach sehr profitieren könnten, jetzt aber eine Kontaktaufnahme scheuen, weil sie durch den Artikel in die Irre geleitet werden. Anstatt durch saubere Recherche sich auf die Seite derer zu stellen, die für Ethik und Qualität im Coaching stehen, bringt der Artikel die Falschen in Misskredit. Unternehmen und Einzelpersonen ist zu empfehlen, sich bei der Suche nach einem Coach auf die Qualitätsmarke ICF zu verlassen. Sie finden eine Übersicht zertifizierter Coaches hier: coachfederation.org/find-a-coach.

 

Kirsten Dierolf, MCC

President Elect, International Coach Federation Deutschland e.V. für den Vorstand der ICF Deutschland e.V.


Text: Kirsten Dierolf       Bild: istockphoto


 


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