International Coach Federation Deutschland

Was steht unserem Selbstbewusstsein oft im Weg?

Gastbeitrag von Birgit Rohm

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In meinem letzten Blog sprach ich darüber, wie Belastungen aufgrund von Erlebnissen und Erfahrungen Protektoren in unserem System kreieren können. Protektoren, die in Form von extremen Stimmungen oder bestimmten Verhaltensmuster auftreten und uns damit im Weg stehen.

Ich bekam die Frage von einem Leser, woran erkenne ich das und wie kann ich das steuern?

Wenn wir Menschen erleben, die immer kritisieren oder die Wut im Gesicht geschrieben steht oder meist unzufrieden oder vorwiegend ängstlich sind, dann ist ein Gefühl über die Zeit zur Stimmung geworden. Das können aber auch Humor und Positivität in jeder Lebenslage sein, auch dann ist ein Gefühl zur Stimmung geworden und die Authentizität ist durch diesen Protektor überschattet. Authentizität heißt, dass unser vollständiges inneres Team uns berät und nicht nur einer oder eine kleine eingespielte Gruppe die Zügel in der Hand hält, sondern unser ganzes Potential uns zur Verfügung steht. Erst dann ist es möglich mit Klarheit und Gelassenheit Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu tragen und ein zufriedenes und ausgeglichenes Leben zu führen.  

Wann werden Emotionen zu Stimmungen und ein bestimmtes Verhalten zu einem Muster? 

So wie wir Menschen uns im Aussehen voneinander unterscheiden, so unterscheiden wir uns auch in unserem Charakter, dieser aufgrund unseres Naturells, unseres Umfelds in der Kindheit und den damit verbundenen Erfahrungen im Laufe des Lebens individuell geformt wird. Protektoren und Verhaltensweisen sind nicht durch Schema-F kreiert worden, sondern sind ein sehr individuelles Zusammenspiel. Deshalb sind sie auch nicht durch Schema-F Methoden wieder zu lösen, sondern durch ein individuelles Vorgehen. 

Hier ein Beispiel…

Bei Martina (fiktiver Name) ist die Unzufriedenheit zum Protektor geworden, der sucht was „andere besser haben“, „andere falsch machen“, „was nicht klappen wird“. Dieser Protektor hält unermüdlich nach diesen Zeichen ausschau und macht sie zu Fakten. Frust, Kritik und Konkurrenzdenken bestimmen den Tag in all ihren Rollen, ob als Mutter, Businessfrau, Partnerin etc. Ein sehr energieraubender und frustrierender Zustand der einen noch mehr runterzieht, als dass das vermeintliche „Luft ablassen“ es besser macht. Unzufriedenheit ist hier zu einem Zustand geworden. Es ist natürlich, dass einzelne Situationen einen frusten und ärgern können, das ist dann eine Emotion mit einem Anfang und einem Ende. Jedoch wenn es zu einem Muster wird, wie bei Martina, ist es schwierig diesen Kreislauf alleine zu unterbrechen. 

Warum kommt es zu einem solchen Muster, was ist die Intention des Protektors?

In Martina’s Fall, möchte ihr Protektor sie vor dem Gefühl „nicht gut genug zu sein“ und „keine Wertschätzung zu fühlen“ bewahren. Um das nicht fühlen zu müssen, ist er auf der Suche nach „Fehlern“ bei den anderen, um sich selbst besser zu fühlen. Wir kommen der Ursache auf den Grund, in ihrer Kindheit zählten kritische Äußerungen nicht. Ihre Eltern lebten nur Sonnenschein und heile Welt, egal was auch passierte - mit besten Absichten. Jedoch entsprach das nicht der Realität. Jede Äußerung, die Martina machte, z.B. über ihre Freundin sich ärgerte, sich weh tat oder etwas nicht gut fand, wurde nicht gehört und nicht gesehen. Es wurde abgetan als, das meinte deine Freundin nicht so oder das hat doch nicht weh getan oder was das gefällt Dir nicht, das ist doch toll…beim Lesen fühlt man schon wie ihre Empfindungen regelrecht übergangen werden…Ein Protektor formt sich nicht bei einem dieser Kommentare, aber wenn es zu einem Erziehungsmuster wird, staut sich die innere Unzufriedenheit auf. Da schauen Protektoren nicht lange zu und beginnen über kurz oder lang ihren Einsatz. Was für ein Protektor sich aus einer solchen Situation formt ist nicht festgelegt, das kann in alle Richtungen gehen. Das kann ein Hardliner sein, der erst einmal gegen alles ist oder eine Kopie der Mutter, ein Protektor, der auch nur alles positiv sieht oder ein Gefühl wie in Martina’s Fall die Unzufriedenheit wird zu einer Stimmung, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.

Welchen Einfluss hatte der Protektor auf ihre Ehe?

Sie heiratete einen sehr positiven Mann (im Grunde eine Wiederholung der Mutter, was nicht ungewöhnlich ist, denn das Erlebte entspricht der eigenen Norm - ist vertraut), der ihrem Protektor immer gegensteuerte, sie wieder vom Positiven überzeugen wollte. Jedoch da die Aufgabe ihres Protektors war, endlich die Menschheit zu überzeugen, dass nicht alles rosa rot ist und Dinge auch negativ ausgehe können, trafen hier Protektor auf Protektor. Gegensätze ziehen sich an. Anfangs ist man so inspiriert und verliebt in das was der andere hat, von dem man selbst gerne mehr hätte, was aber, nach einiger Zeit kippen kann, denn man fühlt sich wieder nicht verstanden. Je positiver ihr Mann wurde desto kritischer wurde sie, je kritischer sie wurde, desto positiver wurde ihr Mann. Ein permanentes aneinander vorbeireden und vor allem sich schnell zur Weißglut bringen, denn die Wertschätzung der Gefühle, die beide Protektoren schützen, ist wieder nicht gegeben. 

Was passiert hier, warum kommt man alleine schwer aus dem Kreislauf raus? 

Wenn man so vereinnahmt wird von einem Protektor, sieht man nicht klar. Man weiß nicht warum man macht, was man macht und sagt, was man sagt. Man merkt, dass etwas nicht stimmt und ist unzufrieden. Hier ist der Coaching Prozess, zuerst zu verstehen woher es kommt, Verständnis haben, es zu akzeptieren und den Ballast, den der Protektor beschützt loslassen können. Damit bilden sich neue Gedanken und Verhaltensmuster. Der Protektor entspannt sich, reagiert von nun an auf Situationen angepasst mit einem Gefühl, das einen Anfang und ein Ende hat. Gefühle erkennen und zuzulassen ist lebensnotwendig, sie haben wichtige Signale für uns und können auch ein Motor sein etwas zu ändern. Wut z.B. zeigt einem, dass etwas nicht in Ordnung ist, was kann ich tun? Oft ist die Wut ein guter Motor die Kraft zu haben etwas zu ändern.

Wann kippen Bedürfnisse in schadende Verhaltensmuster?

Wenn Verhaltensweisen zu Protektoren werden, merken wir das daran, wenn es extrem wird. Zum Beispiel gegen ein Feierabend Bier oder ein Glas Wein ist nichts einzuwenden, wenn man es in Ruhe genießt und dabei den Tag beschließen kann. Wenn hingegen Alkohol benutzt wird um zu vergessen, um Gedanken auszulöschen, sich zu betäuben, dann agiert hier ein Protektor. 

Bewegung ist ein wichtiges Bedürfnis für die Psyche, Emotionen helfen zu prozessieren und um uns fit und gesund zu halten, jedoch auch hier kann es kippen. Wenn der Sport vom Ehrgeiz getrieben wird und zum Beispiel, Schmerzen im Körper mit Schmerzmittel betäubt werden, um die Joggingstrecke oder das Fußballspiel zu schaffen, dann ist hier immer die Frage, tut der Sport meinem Körper gut oder versuche ich mir oder anderen etwas zu beweisen - dann agiert auch hier ein Protektor.

Essen ist lebensnotwendig für unseren Körper, gesundes Essen ist Balsam für Körper und Geist. Wenn wir ein gesundes Körperempfinden haben, leitet unser Körper uns mit Hungergefühlen durch den Tag, inklusive der Lust auf Süßes. Wenn allerdings ein Protektor beschließt durch Essen uns von gewissen Gefühlen abzulenken, dann wird es kritisch. Wenn jemand die Frage, „haben Sie Hunger“ mit „wieviel Uhr ist es“ beantwortet, dann ist die Verbindung zum Körper unterbrochen. Diese Verbindung gibt nicht nur das Signal, ob der Körper Hunger hat, sondern stoppt auch zu essen, wenn der Körper satt ist. Wenn jedoch ein Protektor diesen Part übernimmt, dann antwortet der Kopf (Frust-Part, Diät-Part etc.) und nicht mehr der Körper. Dann passieren Dinge wie Frust und Stressessen ohne Maß. So lange aufgestaute Belastungen nicht prozessiert werden und der Ess-Protektor sich entspannen kann, können viele Diäten gestartet werden. Der Protektor wird weiter alles tun, den Schmerz zu beschützen. Das heißt, wann immer ein ungutes Gefühl getriggert wird, greift er zum Essen. Bei unseren Bedürfnissen kommt es also auf das WIE nicht das WAS an.

Was passiert wenn Protektoren polarisieren?

Protektoren lassen uns interessante Verhaltensmuster entwickeln. Wir erkennen es daran, wenn etwas extrem wird und wir fühlen, dass etwas im Ungleichgewicht ist. Da unser System immer die Balance sucht, kann es gut sein, dass auch ein Gegenprotektor aktiv wird. Das heißt es wirken zwei Kräfte auf uns. Zum Beispiel, wie oben beschrieben der Ess-part und ein Diät-Part, oder ein extrem aktiver Part und ein extremer laissez-fair Part. Auch Schmerz kann der Gegenpart sein, ein Hard-Working Part könnte z.B. die Migräne zum Gegenpart haben. Parts polarisieren hier, sinnbildlich wie auf einem Segelboot, jeder Part hält auf seiner Seite dagegen, damit das Boot (unser System) nicht kentert. Das ist ein sehr anstrengender Prozess, der einem viel Kraft raubt und keine Energie für die anderen Rollen und Parts übriglässt. Das heißt, das System ist nicht im Gleichgewicht und kommt nicht zur Ruhe - man fühlt sich rastlos.

Der populärste Protektor ist…

Zu guter Letzt möchte ich noch einen Protektor erwähnen, der sehr laut und despektierlich werden kann – die innere Kritik. Sie hält viele Menschen ab Projekte, Ziele und Träume anzugehen mit der Meinung, „das wird eh nichts“. Wenn wir nach Absprache unserer Kompetenz, Passion, Wissen, Zuversicht etc. den Schritt gehen, dann ist die innere Beratung ausgeglichen. Wenn jedoch die Kritik alle dominiert und das System blockt, dann ist ein Protektor am Werk. Dann ist es wichtig dem auf den Grund zu gehen. Warum ist die innere Kritik so massiv? Es gibt immer Gründe, diese zu verstehen und loszulassen, dafür ist es nie zu spät und gibt neue Kraft und Energie. Unser inneres Team (ganzes Potential) wartet nur darauf gemeinsam zum Zug zu kommen, um das anzugehen, was man sich für sich immer gewünscht hat. Mit Selbstbewusstsein und Zufriedenheit - das macht Self-Leadership möglich.

 

Wenn Ihr merkt, dass Euch etwas zurückhält oder Verhaltens und Gedankenmuster zu Schleifen geworden sind, die sich nicht alleine durchbrechen lassen, dann meldet Euch, ich helfe gerne. 

 

Herzlichst,

Birgit Rohm

Expertin für Self-Leadership

 


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