International Coach Federation Deutschland

Vom Wachsen als Coach und als Mensch

 

Seid Ihr schon einmal aus einem Coaching-Gespräch gekommen und hattet das Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz gepasst hat? Dass etwas „hinter den Kulissen“ vorging, im Gespräch nicht offen war, aber eigentlich wichtig gewesen wäre? Oder dass Ihr ein wunderbares, transformatives Gespräch geführt habt, aber auf Anhieb nicht wüsstet, wie genau das gekommen ist?

Wo geht Ihr in diesen Momenten mit Euren Fragen und Gedanken hin?

Vielleicht macht Ihr sie mit Euch selbst aus oder sie verschwinden wieder, weil die Hektik des Alltags sie mit neuen, dringenderen Themen wegspült. Vielleicht lest Ihr gezielt nach oder hört Podcasts. Oder Ihr habt Kolleg*innen, denen Ihr vertraut und mit denen Ihr Euch austauscht.

Wir sind Coaches. Unsere Arbeit findet in Beziehung statt. Und wir kommen in diese

Beziehung als Coach und als Mensch. Coach und Mensch wirken aktiv in der Beziehung zu unseren Klienten und beide werden beeinflusst durch sie. Techniken, Interventionen, Modelle und Tools lassen sich lernen und stehen unbeeinflusst zur Verfügung.

Damit aber der Coach als Mensch hinter diesen Instrumenten fit-for-purpose bleibt, braucht es Bewusstheit in der einzelnen Coaching-Beziehung und darüber hinaus: wie geht es mir? Worauf reagiere ich? Woran erinnert mich das? Wo kommt diese Dynamik zwischen uns her? Wo re-inszeniert sich in unserer Beziehung etwas, das für den Coachee (oder mich) im Alltag ein Thema ist?

Oft, wenn wir bewusst eine solche Meta-Ebene einnehmen und reflektieren, erwachsen aus dem Verstehen einzelner Situationen wichtige Erkenntnisse, die allgemein gültig sind. Wir erkennen Muster, auf die wir reagieren und deswegen achten müssen. Wir gestalten Routinen, die uns helfen, im Hier und Jetzt präsent zu bleiben. So wachsen wir nach und nach an unseren Erfahrungen – als Coach und als Mensch. Dabei hat dieses Wachstum kein Ende: Jeder Klient, jede Beziehung ist neu, findet in einem neuen System statt, in einem anderen Zusammenhang, zu einer anderen Zeit – und birgt in dieser neuen Konstellation wieder ganz neue Facetten oder Erkenntnisse.

Wie kann man dieses Wachstum bewusst fördern?

Der Besuch einer Konferenz oder ein weiteres Buch sind hier nur begrenzt hilfreich. Blinde Flecken und neues Terrain brauchen ein Gegenüber, wenn wir wirklich hinschauen wollen. Aber wen? Das eben beschriebene Lernen ist nicht gezielte Arbeit auf eine angestrebte Veränderung hin, es ist auch nicht besseres Verstehen von Kompetenzen oder Vorbereitung auf eine Zertifizierung. Anders als Coaching oder Mentor-Coaching hat dieser Prozess kein definiertes Ende, denn wir sind laufend in Beziehungen und laufend fallen Erkenntnisse an, aus denen wir lernen können. Wir müssen nur den Raum schaffen, es auch zu tun, und jemanden haben, der uns bei genau dieser Arbeit gezielt unterstützen kann.

Die regelmäßige Reflexion von Fällen ist ein ursprünglich aus der Sozialarbeit bekanntes Konzept. Mehr und mehr Berufsgruppen, die wie Coaches vornehmlich in Beziehung arbeiten und für ihre Klienten „Raum halten“ müssen, haben es sich seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts zur Routine gemacht, regelmäßig auf die Meta-Ebene zu gehen, um Überblick oder Super-Vision zu gewinnen. Supervision ist hier ein fester Bestandteil der Arbeit und der nachhaltigen Sicherung ihrer Qualität.

Zunehmend nutzen auch Coaches diese Möglichkeit und Kunden fragen gezielt nach, ob der Coach in professioneller Supervision ist. Auch der EMCC ist zum Thema offiziell positioniert, akkreditiert Supervisions-Ausbildungen und Coach-Supervisoren: Coach Supervision ist insofern gleichzeitig nicht neu und in den Kinderschuhen.

Es gibt eine Reihe von Supervisoren im ICF Deutschland. Wir sind einerseits dafür ausgebildet, die Reflexion von Fällen zu begleiten, und andererseits bekannt und verbunden dem ethischen und konzeptionellen Rahmen des ICF. Wir Supervisoren im ICF Deutschland haben es uns zum Ziel gesetzt, Supervision und ihren Wert für den Coach und seine Klienten bekannter zu machen. Hierzu werden wir regelmäßig Artikel im Newsletter schreiben. Und weil man manche Dinge einfach erlebt haben muss, wollen wir vor allem Möglichkeit zum Schnuppern geben: Im Rahmen des Virtual Learning oder bei Chapter-Treffen.

Haltet Ausschau nach unseren Angeboten - wir freuen uns auf den Austausch mit Euch und darauf, gemeinsam Coaching noch besser zu machen!

(Auf der Seite des ICF-Deutschland findet Ihr Hintergrund und Links zu Supervision sowie die Kontaktdaten der ausgebildeten und zertifizierten Supervisoren im ICF Deutschland: http://coachfederation.de/supervision)

 

Autorin: Petra Andres  Bild: Cartoon vector created by freepik - www.freepik.com


coachfederation.de  |  coachingtag.com

ISSN: 2702-7880

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News

18 Feb 2021

Betrifft ICF Zertifizierungen, die am 31.12.2020 abgelaufen sind


Frist für die Verwendung einer abgelaufenen Zertifizierung geht am 28. Februar 2021 zu Ende, was tun?

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05 Feb 2021

ICF Global Coaching Study 2020 veröffentlicht


Laut ICF Global Coaching Study 2020 sind Hindernis Nr. 1 für den Coaching-Beruf unausgebildete Personen, die sich als Coaches bezeichnen.

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