International Coach Federation Deutschland

Ethik als Spaßbremse?

Wer sich für Ethik in Organisationen einsetzt, macht sich nicht immer beliebt. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 12. Januar dieses Jahres wird auf eine Studie verwiesen, die in der Erkenntnis gipfelt: „wer an sich selbst hohe ethische Standards anlegt, wandelt als impliziter moralischer Vorwurf an alle anderen durch das Leben.“ Man gerät also schnell in die Rolle eines Spielverderbers oder wie der Artikel titelt „einer Spaßbremse“ (Die Studie befasste sich mit der Reaktion der Probanden auf ethisch nicht einwandfreie Witze.)

Von professionellen Coaches wird erwartet, dass sie eine „reflektierte dialogische Grundhaltung“ bezüglich Ihres Verhaltes einnehmen (ICF-Ethikstandards (derzeit in Überarbeitung), sowie RTC Ethisches Verhalten im Coaching, hierbei standen die ICF-Richtlinien Pate) und dieses an einer Professionsethik ausrichten, die für den Berufsstand ein Anrecht auf Allgemeingültigkeit erhebt. Was aber, wenn das in der Praxis nicht immer der Fall ist? Dann hat eine Ethikkommission auch die Aufgabe, diese Punkte anzusprechen, ggfs. den Finger in die Wunde zu legen. Das ist für alle Beteiligten in der Regel erst mal mindestens unbequem und deswegen verkommen ethische Codices  immer wieder zu lästigem Beiwerk, zu dem man sich zwar formal verpflichtet, das aber auch als Einschränkung von Kreativität und Gestaltungsfreiheit empfunden wird. Beobachtet man die gesellschaftlichen Entwicklungen im Zeitalter von Chatbots, Fakenews, Künstlicher Intelligenz, Populismus etc. könnte man schon manchmal den Eindruck gewinnen, dass das Befolgen ethischer Standards an Bedeutung verliert.

Umso wichtiger ist es für die ICF und alle engagierten Beteiligten des Charter Chapter Germany diese hochzuhalten. Deshalb verpflichtet sich jedes Mitglied mit dem Antrag auf Mitgliedschaft zur Einhaltung der ethischen Standards. Von den Mitgliedern, die Führungsrollen z.B. als Chapter Leader oder Vorstand übernehmen, wird darüber hinaus erwartet, dass sie als Rollenmodell mit gutem Beispiel vorangehen und sich um „best practice“ bemühen. Mit den „Chapter Leader Ethical Guidelines“ (https://coachfederation.org/icf-ethics) wurde von der ICF hierzu eine Orientierungshilfe geschaffen. Alle im November bei der Mitgliederversammlung (neu) gewählten Vorstände haben diese Guidelines unterzeichnet.

Die Ethikkommission der ICF Deutschland bzw. international das Independent Review Board (IRB) hat die Aufgabe, die hohen Qualitätsstandards der ICF im Falle von Beschwerden, die (Vereins-)mitglieder betreffen, sicherzustellen. Sie hat Klärungs-, Schlichtungs- und Beratungsfunktion (siehe §9 der ICF-D-Satzung). Die Herausforderung in dieser Rolle ist keinen moralischen Zeigefinger zu erheben und quasi aus dem „Eltern-Ich“ Zurechtweisungen auszusprechen, sondern ruhig und besonnen auf Augenhöhe mit den Betroffenen nach konstruktiven Lösungen zu suchen, also die Beratungsfunktion und das Lernen in den Vordergrund zu stellen.

Wir als Ethikkommission der ICF Deutschland e.V. stellen uns diesen Herausforderungen, sind offen für den konstruktiven Dialog und hoffen entgegen den Ergebnissen der obengenannten Studie über Humor zu verfügen. In diesem Sinne.

Dr. Harriet Kretschmar Dr. Michael Fritsch

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