International Coach Federation Deutschland

Referenzen entsprechend der Ethikrichtlinie

Referenzen entsprechend der Ethikrichtlinie 

Dr. Michael Fritsch

Die Ethikkommission stellt Ihnen in unregelmäßigen Abständen konkrete Fälle aus der Praxis vor. Heute geht es um den Umgang mit Referenzen auf der Homepage eines Coaches.

Frau X ist seit vielen Jahren im Öffentlichen Dienst bei einer Baubehörde tätig. Seit mehr als 10 Jahren hat sie eine Führungsposition inne. Der Arbeitskontext ist sehr hierarchisch geprägt. Aufgrund der Menge der Bauanträge und dem permanenten Personalmangel wird die Arbeitssituation von Frau X als sehr konfliktbeladen und stressig beschrieben. Obwohl sie im Beamtenverhältnis und daher gut abgesichert ist, denkt Frau X schon länger über eine berufliche Veränderung oder Ergänzung nach. Über eine Maßnahme zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung ist sie mit dem Thema Coaching in Berührung gekommen. Vor ca. 2 Jahren hat sie daraufhin eine Coachingausbildung absolviert und mit ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung getroffen, dass sie nebenberuflich als Coach tätig sein darf. Ihr Engagement als Coach wird von einigen Kolleg*innen aus dem beruflichen Umfeld kritisch beobachtet.

 Um ihr Coachingbusiness aufzubauen, hat sie sich mit professioneller Unterstützung eine Homepage erstellen lassen. Ihre Zielgruppe sieht sie in erster Linie bei Kolleg*innen aus vergleichbar herausfordernden Positionen im Öffentlichen Dienst. Auf dieser Homepage hat Frau X auch eine Seite mit Referenzen, d.h. mit Feedbacks von Kunden, die allerdings nur mit Initialen gekennzeichnet sind. Beispiel: „H.M.: Frau X war für mich …“ Es folgen positive, fast überschwängliche Aussagen zu ihrer Arbeit als Coach. Zum Abschluss steht dann z.B. H.M. – Diplom-Biologe oder H.M. Standesbeamter.

Als Frau X auf die anonymisierten Referenzen angesprochen wird, macht sie deutlich, dass die Referenzen natürlich echt sind, die Personen aber nicht genannt werden können, da in diesem Arbeitskontext ein besonders hohes Schutzbedürfnis besteht und die Personen mit erheblichen Nachteilen für ihr Arbeitsverhältnis rechnen müssen, wenn bekannt wird, dass sie sich von Frau X coachen lassen. Obwohl die Referenzpersonen somit nur mit Namenskürzel genannt werden können, möchte Frau X nicht auf dieses Marketinginstrument verzichten und glaubt, dass Referenzen für den Ausbau ihrer Coachingpraxis unabdingbar sind. Im Übrigen hat sie sich im Vorfeld bei anderen Coaches und deren Homepages umgesehen und festgestellt, dass nur maximal 1/3 der Coaches Referenzgeber mit Namen und Kontaktdaten angeben. Ein erheblicher Teil arbeitet ebenfalls mit anonymisierten Referenzen und dort könnte man genauso unterstellen, dass diese Referenzen nicht echt seien.

Wir können und wollen nicht auf mögliche juristische Aspekte eingehen. Ein ICF Coach verpflichtet sich beim Eintritt in den Verband „…die anwendbaren Gesetze und Regelungen jedes Landes, jeder Gemeinde, jedes örtlichen Verwaltungsgremiums anzuerkennen und sich danach zu verhalten.“ Für uns wichtig ist jedoch die Frage, wie der Umgang mit Referenzen aus ethischer Sicht einzuschätzen ist. In der ICF-Ethikrichtlinie steht in Abs. 1 (5), dass von einem ICF Coach erwartet wird, „… mündliche und schriftliche Aussagen zu machen, die wahrheitsgemäß und korrekt über mein Angebot als Coach, das Berufsbild oder die ICF informieren“ und in Abs. 1 (6) „…wahrheitsgetreu meine Qualifikationen, meine Kompetenz, meine Erfahrung als Coach …“ darzustellen. Anonymisierte Referenzen sind somit immer problematisch, da für einen Dritten nicht nachprüfbar ist, ob die Referenzen „erfunden“ oder „echt“ sind. Als Ethikkommission möchten wir hier an das professionelle Selbstverständnis der Coaches appellieren und anregen, sich selbst zu prüfen, ob man als Coach sich entsprechend der Ethikrichtlinien korrekt verhält.

Wie gehen Sie als Coach mit dem Thema Referenzen um? Wo könnten sich aus Ihrer Sicht Fragen oder Herausforderungen in Bezug auf die Ethikrichtlinien der ICF ergeben?

Welche Fragen beschäftigen Sie in diesem Zusammenhang?

Ihre Meinung ist uns wichtig. Schreiben Sie uns bitte, wie Sie sich in dem eben beschriebenen Fall verhalten würden. Haben Sie selbst einen Fall aus Ihrer Coachingpraxis, den Sie gerne mit uns allen teilen möchten? Dann schreiben Sie uns bitte, wir freuen uns. Senden Sie uns Ihre Mails an ethikkommission@coachfederation.de

Bei der ICF in Deutschland sind wir von der Ethikkommission erste Ansprechstelle für Fragen, Beschwerden, Anregungen ethikkommission@coachfederation.de. Bei Bedarf arbeiten wir mit der internationalen Ethikkommission, dem International Review Board (IRB) zusammen.

Mit herzlichen Grüßen für die Ethik-Kommission, Dr. Michael Fritsch.

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