International Coach Federation Deutschland

Coaching mit Alexa & Siri?

Beitrag der Ethikkommission ICF Deutschland
Coaching mit Alexa & Siri?
Doris van de Sand

Im Oktober 2019 wurde Rick Osterloh (Google-Geräte-Chef) in einem Interview von der BBC gefragt, ob Hausbesitzer Gäste warnen sollten, dass ihre Nest Geräte sie aufzeichnen könnten, und er antwortete, dass er dies bei seinen eigenen Hausgästen bereits tue. 

Der Interviewer hakte nach, ob Osterloh der Ansicht sei, dass Hausbesitzer allgemein verpflichtet sein sollten, offenzulegen dass ihre Gespräche durch Geräte mitgehört oder aufgezeichnet werden könnte. Osterloh: „Meine Güte, so habe ich darüber noch nie nachgedacht! Es ist wichtig, dass wir bei all diesen Technologien an alle Benutzer denken... wir müssen alle Interessengruppen berücksichtigen, die sich in der Nähe befinden könnten.“[1]

Meine Reaktion beim Lesen des Interviews war ähnlich: „Verflixt, darüber habe ich nie wirklich nachgedacht.“

Nun habe ich zwar weder Google Nest[2] noch Lautsprecher mit eingebauten Lauschern wie z.B. Alexa oder Google Home. in meinen Räumen installiert Auch Siri[3] oder Google Assistant („ok Google“) auf meinem Smartphone nutze ich nicht.

Bin ich deshalb als Coach schon auf der ethisch sauberen Seite?

Wie sehen eigentlich die neuen Ethischen Standards des ICF [4]dazu aus?

„Abschnitt I - Verantwortung gegenüber Kunden

(3)

Als ICF-Professional halte ich die strengste Vertraulichkeit mit allen Parteien wie vereinbart aufrecht. Ich bin mir bewusst und erkläre mich damit einverstanden, alle geltenden Gesetze einzuhalten, die sich auf personenbezogene Daten und Mitteilungen beziehen. 

(7)

Als ICF-Professional bewahre ich alle Aufzeichnungen, einschließlich elektronischer Dateien und Mitteilungen, die während meiner beruflichen Tätigkeiten erstellt wurden, in einer Weise auf, die Vertraulichkeit, Sicherheit und Datenschutz fördert und mit allen anzuwendenden Gesetzen und Vereinbarungen übereinstimmt. Darüber hinaus bemühe ich mich, aufkommende technologische Entwicklungen, die in Coaching-Diensten (technologieunterstützte Coaching-Dienste) zum Einsatz kommen, achtsam zu nutzen und mir bewusst zu machen, dass andere ethische Standards für sie gelten könnten.“

Interpretativer Kommentar der Autoren der ICF Ethik-Standards zu #7[5]

„Der Klient ist über die Tatsache der schriftlichen, elektronischen oder anderweitig erstellten Aufzeichnungen und deren Schutz zu informieren, nicht aber über deren Inhalt. Vor der Durchführung von Audio- oder Videoaufnahmen ist die Zustimmung des Klienten einzuholen. Dies gilt auch für den Einsatz von Geräten mit künstlicher Intelligenz, die den Ton in einem Raum automatisch aufzeichnen (z.B. Alexa, Siri, etc.).

Bei der Inanspruchnahme von externen Dienstleistern ist zu prüfen, ob der Umgang mit Daten und Informationen (Allgemeine Geschäftsbedingungen, AGB) durch diesen Dienstleister den ethischen Anforderungen der ICF entspricht.“

Upps, es reicht also nicht, weder Google Nest noch Siri noch Alexa zu verwenden! So weit bin ich inzwischen beim selbstkritischen Blick auf meinen Umgang mit technischen Apps, Tools und Programmen gekommen. Da gibt es noch einiges mehr zu beachten:

(1)

Webcam

Vor 10 Tagen habe ich zufällig festgestellt, dass meine wunderbare HD Webcam durchaus in der Lage ist, Audios die ich mir auf meinem PC anhöre, mitzuschneiden – auch wenn das blaue Licht, das anzeigt, dass die Kamera aktiv ist, dann nicht leuchtet. Ich habe inzwischen herausgefunden, dass das Licht der Kamera nur im Kamera-Modus leuchtet, aber nicht im Audio-Aufnahme Modus!

Mein Fazit: à Kamera ausstecken, wenn ich sie nicht aktiv einsetzen möchte. Ist zwar umständlich, weil ich dazu jedes Mal unter den Schreibtisch kriechen muss, um hinter den PC-Turm zu gelangen. Dafür bin ich jetzt, was diesen Punkt betrifft, ethisch auf der sicheren Seite und das Manöver verschafft mir außerdem zusätzlich etwas mehr Bewegung – das schadet ja auch nicht.

(2)

Audio-Dateien online umwandeln

Welches Umwandlungsprogramm kann man Mentées empfehlen, wenn sie für ihre ICF Zertifizierung Audiodateien auf die ICF Global Website hochladen wollen? Akzeptiert werden dort nur .mp3 oder WMA-Dateien. Viele Mentées haben ihre Aufnahmen in anderen Formaten gemacht, wie z.B. MPEG-4-Audio.

Mit welchen Umwandlungs-Websites, Tools oder Programmen sind wir auf der sicheren Seite?

Macht auf mich einen sehr sicheren Eindruck: Ein Programm, das Audio- und Videodateien offline umwandelt, wie z.B. XMedia Recode. Das ist zwar im Anfang ein wenig kompliziert zu handhaben, aber auch für Laien durchaus machbar.

Eine sichere Website scheint https://online-umwandeln.de zu sein. Zumindest versichern sie auf der Website, wie sehr sie Wert auf Datenschutz legen und was sie tun, um mit den hochgeladenen Dateien sicher umzugehen.

Bei beiden Umwandlungsoptionen stehen die Server in Deutschland.

(3)

File Sharing Tools und Cloud-Speicherungstools

In Supervisions- oder Intervisionsgruppen leiten wir dann und wann eine Aufzeichnung einer Coaching-Session mit vielen MBs (Voraussetzung: Zustimmung des Klienten) an jemanden in der Gruppe weiter. Auf was sollte ich als ICF Coach dabei achten?

(a)

Ein gängiges File-Sharing-Tool dafür, das viele von uns nutzen, ist die niederländische Website wetransfer.com.

Ist das denn sicher?

Soweit ich es als Laie beurteilen kann, halte ich die Datenschutz-Angaben von wetransfer.com, für konform mit den DGSVO-Voraussetzungen und gehe davon aus, dass ich mich, wenn ich dieses Tool verwende, als ICF Coach im Umgang mit Dateien von Klienten konform mit dem Code of Ethics verhalte.

(b)

Mails mit vielen MBs versenden via (Telekom) Magenta Cloud. Der Server steht in Deutschland, d.h. hier gelten die relativ strengen Regeln der DGSVO. Die wichtigsten Unterschiede zwischen Datenschutz in Deutschland und dem liberalen Datenschutz in den USA sind hier aufgeführt.

 

(c)

Dropbox ist ein Speicherort, der es möglich macht, verschiedenen Personen die Genehmigung zu geben, Dateien entweder nur zu sehen (und anzuhören) oder sie auch zu bearbeiten. Die Datenschutzbestimmungen findet man auf der Dropbox-Website.

Aha, Dropbox speichert personenbezogene Daten Weltweit! „Für die Bereitstellung unserer Dienste werden die Daten an Standorten in den USA und in anderen Ländern gespeichert, verarbeitet und übertragen, das heißt auch an Standorten außerhalb des Landes Ihres Wohnsitzes. Daten können auch lokal auf den Geräten, die Sie zum Zugriff auf die Dienste verwenden, gespeichert werden.“

Laut FAQs auf der Dropbox-Website werden personenbezogene Daten außerdem an „vertrauenswürdige Dritte[6]“ weitergegeben.

 

(d)

Google Drive

Google Drive Nutzern im Europäischen Wirtschaftsraum plus Schweiz, werden die Dienste von Google Ireland Limited zur Verfügung gestellt. Google verfügt über zahlreiche Server, die über die ganze Welt verteilt sind. „Wo diese genau stehen und für was sie konkret verwendet werden ist allerdings geheim. Man kann demnach nicht sicher sein, wo sich die Daten befinden. Einen Serverstandort in der EU kann das amerikanische Unternehmen folglich nicht zusichern. Die auf dem Server gespeicherten Daten befinden sich demnach theoretisch im Zugriff amerikanischer Behörden im Rahmen des Patriot Act.“[7]

 

Denjenigen, die noch mehr zum Thema erfahren möchten, empfehle ich den Artikel Ethik und Digitale Medien, den Dr. Evelyn Albrecht (Mitglied der ICF Ethikkommission) dazu verfasst hat (s. auch ICF Deutschland Newsletter November 2018

 

Zum Schluss noch ein musikalischer – nicht allzu ernster – Kommentar u.a. zum Thema „Warum hat mich kein Mensch davor gewarnt?“: Alexa, gib mir mein Geld zurück“

 

 

Meine Kollegen und ich freuen uns über Rückmeldungen und Anregungen:

ethikkommssion@coachfederation.de

Uwe Achterholt, Dr. Thomas Bachmann, Dr. Evelyn Albrecht, Doris van de Sand

 


[1]When asked by a BBC reporter whether homeowners with Nest have such an obligation, Osterloh first said he hadn’t considered it.

„Gosh, I haven’t thought about this before in quite this way, “Osterloh said. „It’s quite important for all these technologies to think about all users… we have to consider all stakeholders that might be in proximity. “

Osterloh then acceded that warning houseguests about Nest devices‘ recording capabilities is proper etiquette, stating that he already does so. 

„Does the owner of a home need to disclose to a guest? I would and do when someone enters into my home, and it’s probably something that the products themselves should try to indicate,“ he said.

[2]Das ist die Google Nest- und Google Home-Gerätefamilie. Rund um die Uhr einsatzbereit. Sie können Ihrem Assistant Fragen stellen oder ihn auffordern, etwas für Sie zu tun. Er ist immer für Sie da. 

[3]„Siri macht jetzt noch mehr – schon bevor du fragst“ – Werbung auf der Website von Apple.

[4]Seit dem 1.1. 2020 gilt der neue ICF Code of Ethics. Drei der Autoren (Danke an Jürgen Bache, Dr. Harriet Kretschmar und Michael Marx) haben eine deutsche Version erstellt, die hier auf der Website von ICF Global und ICF Deutschland zu finden ist.

[5]Die weitergehenden „Interpretative Statements“, die ich hier anführe, sind hier zu finden. Eine Übersetzung ist in Arbeit.

[6] Zu den „Vertrauenswürdigen Dritten“ gehören laut Dropbox FAQ diese Unternehmen: Dropbox, Inc.; Amazon Web Services, Inc.; Teleperformance A.E.; Salesforce.com, LLC; Serenova, LLC (ehemals LiveOps Cloud Platform, LLC); Google LLC; Zendesk, Inc.; Oracle America, Inc.

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