International Coach Federation Deutschland

TOP Coaches oder FLOP Coaches?

Jetzt bin ich mal wieder Topcoach! Mitte Juli flatterte mir eine E-Mail in das Postfach, die mir anbot, für nur 2779 € statt regulär 3279 € mein ausführliches Profil in einer Beilage zur Zeitschrift Impulse zu veröffentlichen. Die E-Mail-Adresse, an die diese Nachricht ging, nutze ich ausschließlich für XING. „Nachtigall, ik hör dir trapsen“, dachte ich mir und ging mal ein wenig recherchieren.

Zunächst rief ich den Arthur Verlag, der diese Beilage veröffentlicht an, um herauszufinden, nach welchen Kriterien diese „TOP-Coaches“ ausgesucht werden. Ein freundlicher Mensch erklärte mir, dass er noch einmal mit seiner Vertriebsabteilung Rücksprache halten muss, um mir die genauen Kriterien nennen zu können. „Interessant – der weiß das noch nicht mal! Spricht ja schon von Top-Qualität.“ Ich wandte ein, dass es mir vor allem wichtig sei, zu erfahren, wer sonst noch zum illustren Kreis der Top-Coaches gehören soll. Ich wolle mich ja nicht durch eine Assoziation mit unqualifizierten Coaches disqualifizieren.

Nach etwas hin und her per E-Mail bekam ich dann sowohl die recht allgemeinen Kriterien als auch 5 andere angebliche Top-Coaches genannt. Sagen wir mal so, ein Top-Coach war nicht darunter. Schlimmer noch, es war zu diesem Zeitpunkt KEIN EINZIGER Coach dabei! Stattdessen ist es ein munteres Stelldichein von reißerischen Vertriebstrainern, Vertretern chinesische Quantenheilung, Motivationsspeakern und Gedächtnistrainern mit mehr oder weniger hohem Grad an Seriosität.

Ich fragte beim Arthur Verlag noch einmal nach, wie sie darauf kommen, dass es sich bei diesen Anbietern um Coaches handelt. Der Ton wurde merklich unfreundlicher. Man schrieb mir, dass man nach Menschen sucht, die einen Unterschied machen und dass es „ACTP-Coaches“ wie Sand am Meer gäbe, und dass viele dieser Coaches maximal 20 Aufträge im Jahr bekommen. Diese seien für das Manager Magazin, Capital oder Impulse Leser nicht interessant. Für die Branchenkompetenz der Herausgeber der Beilage „Top-Coaches“ spricht auch nicht wirklich, dass sie nicht wissen, dass es „ACTP-Coaches“ nicht gibt. ACTP ist die Bezeichnung für ein akkreditiertes Trainingsprogram – diesen Begriff hatte man wohl auf meiner Homepage gefunden.

Nach und nach sind dann auch viele der anderen Vorstandsmitglieder und auch befreundete Coaches vom Arthur Verlag angeschrieben worden. Die Liste der angeblich in der Beilage veröffentlichten Coaches wuchs und wuchs. Mit der großen Exklusivität kann es also nicht sehr weit her sein.

Durch etwas weitere Recherche erfuhr ich dann, dass eine Beilage von 50 g im Impulse Magazin 5400 € kostet. Das klingt doch nach einem guten Schnapp für den Arthur Verlag.  2700 € mal 15 = 40500 €. Publikation: 5400 €… Geschäftssinn haben sie! Ich rate allen Lesern und Leserinnen: lasst Euch nicht auf solche Abzocke ein!

Der Arthur Verlag bot mir großzügig an, mich aus seiner Adressenliste, von der er betonte, dass sie die DGSVO konform sei, zu löschen (wie war das noch mit meiner XING Email Adresse…. Aber das wäre ein anderes Hühnchen zu rupfen). Ich konnte da irgendwie nicht nein sagen, aber hatte dann keinen Ansprechpartner für dieses Thema mehr. Also wandte ich mich an die Redaktion des Impulse Magazins und bekam von der Anzeigenabteilung (sic!) die Antwort, dass im Anzeigengeschäft „die Absender für deren Inhalte selbst verantwortlich sind.“

„Aha“, dachte ich mir, „dann mache ich demnächst eine Beilage mit Top-Klohäuschenwärtern  für das Magazin.“ Nein, natürlich nicht! Anzeigengeschäft und Redaktion sind in vielen Zeitschriften getrennt -- aber zu behaupten, dass eine Beilage in einer Zeitschrift nicht als der Zeitschrift zugehörig empfunden wird, ist doch etwas weit hergeholt. Wenn das nicht so wäre, würde wohl kaum einer darauf kommen, gutgläubige Top-Coaches, oder die, die sich dafür halten, für eine solche Beilage ausnehmen zu wollen.

Langer Rede kurzer Sinn: diese Beilage macht wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, den Begriff Coach mit den Qualitätsstandards der International Coaching Federation zu belegen. Wir als Vorstand stehen für Gespräche mit Medien immer zur Verfügung. Noch haben wir keinen richtigen Hebel gefunden, um öffentlichkeitswirksam klarzustellen, dass unseriöse Motivationstrainer und esoterische Angebote nichts mit Coaching zu tun haben. Auch die Welt am Sonntag hatte meinen damaligen Leserinnenbrief „die Euphoriker“ zur gleichen Thematik nicht veröffentlicht.

Wenn irgendjemand von euch Ideen hat, wie wir hier wirksam handeln können, freuen wir uns über eine Nachricht: Klarheit können wir!

Autor: Kirsten Dierolf               Bild: Depositphotos

 


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