International Coach Federation Deutschland

ICF Code of Ethics – Standard 25: Verantwortung für die Gesellschaft

 

1  ICF Code of Ethics

Der ICF Code of Ethics ist das Fundament der Arbeit für jedes ICF Mitglied und jeden ICF zertifizierten Coach. Sowohl die Kernwerte als auch die ethischen Grundsätze und Verhaltensweisen werden hier dargelegt.

Vor einem Jahr, zu Beginn des Jahres 2020, wurde der überarbeitete Code of Ethics veröffentlicht und für uns alle verbindlich. Ein guter Anlass sich erneut bewusst zu machen, was hier beschrieben ist, wie die einzelnen Standards zu interpretieren sind und welche Hilfestellung uns dies für unser professionelles Auftreten als Coach gibt.

Den vollständigen ICF Code of Ethics finden Sie hier.
 

Darüber hinaus veröffentlicht das IRB (Independent Review Board) regelmässig Auslegungserklärungen (interpretative Statements), die uns bei der Interpretation der Standards unterstützen. Die Interpretative Statements sind hier zu finden.
 

Dieser Artikel wird sich mit einem der 28 Standards beschäftigen – allen Lesern möchte ich darüber hinaus die Lektüre der beiden oben genannten Dokumente empfehlen.

 

2  Abschnitte des ICF Code of Ethics

Die Standards des ICF Code of Ethics werden in vier Abschnitte unterteilt:

  • Verantwortung gegenüber dem Kunden
  • Verantwortung für Praxis und Leistung
  • Verantwortung für die Professionalität
  • Verantwortung für die Gesellschaft

Allein diese Gliederung lässt schon die Spannbreite der ethischen Themen erahnen. In unserer Rolle als Ethikkommission möchten wir daher immer wieder einzelne Standards hier darstellen und erläutern

 

3  Standard 25

Der Standard 25 gehört zum Abschnitt IV – Verantwortung für die Gesellschaft und lautet:
„Als ICF -Professional vermeide ich Diskriminierungen, indem ich Fairness und Gleichheit bei allen Tätigkeiten und Operationen wahre und dabei die lokalen Regeln und kulturellen Praktiken beachte. Dies schließt Diskriminierungen aufgrund des Alters, des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, der Hautfarbe, der sexuellen Ausrichtung, der Religion, der nationalen Herkunft, einer Behinderung oder des militärischen Status ein, ist jedoch nicht darauf beschränkt“

Die Meisten von uns werden zunächst spontan sagen: „Natürlich halte ich mich daran, ich diskriminiere niemanden“ – so war zumindest auch meine Reaktion beim Lesen dieses Ethikstandards. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – machte es Sinn etwas tiefer einzusteigen. Wir nehmen die „Neutralität“, die der Standard gebietet, als selbstverständlich für uns an, da wir niemanden „bewusst“ diskriminieren und übersehen dabei möglicherweise, dass wir alle mehr als einen „unconscious bias“ haben.

Ein kleines Beispiel aus dem Alltag mag die Umbenennung des U-Bahnhofs Mohrenstraße in Berlin sein. Ich bin dort selbst oft ein- und ausgestiegen und dabei nie auf die Idee gekommen, dass meine Mitreisenden diesen Namen als diskriminierend auffassen könnten. Entsprechende Anmerkungen von Betroffenen haben dies letztlich aus dem „unbewussten“ in den „bewussten“ Bereich geholt und damit den Prozess der Umbenennung in Gang gesetzt.

Dieses Beispiel zeigt auf, wie hoch die Anforderungen an ICF-Professionals sind. Sie müssen sich der kulturellen Filter bewusst sein, die ihre Sicht auf die Welt beeinflussen, andere Kulturen als die eigene respektieren und sensibel für kulturübergreifende und multikulturelle Unterschiede und deren Auswirkungen sein. Nur wenn wir dieses Bewusstsein entwickeln sind wir in der Lage Diskriminierung, die Coaching-Klienten erfahren im Coaching-Prozess zu thematisieren. Ein offenes Adressieren möglicher Themen im Coaching Gespräch hilft zur Klärung.

Akzeptierend, dass die oben genannte “Neutralität“ bei jedem von uns eine natürliche Grenze hat, müssen wir uns auch die Freiheit nehmen aus persönlichen Gründen, wie z.B. Wertkonflikten, Klienten keine Dienstleistungen anzubieten. D.h. wenn wir feststellen, dass die Vorbehalte so stark sind, dass sie die Qualität des Coaching-Prozesses beeinträchtigen, ist es nicht richtig, den Prozess zu beginnen oder fortzusetzen.

Was bedeutet dies praktisch für uns?

Zunächst ist es die die Besinnung auf die Grundpfeiler des Verhältnisses zwischen Coach und Coachee, die uns hier an vielen Stellen die richtigen Hinweise geben kann:

  • Akzeptieren wir den Coachee so wie er ist?
  • Glauben wir, dass er alles hat, was er für sein Leben braucht und arbeiten damit?

Beide Fragen sollten wir als Coach mit einem klaren „Ja“ beantworten können. Jedes „Störgeräusch“ sollte dem Gespräch mit dem Coachee offengelegt werden.

Wir freuen uns auf Eure Hinweise, Erfahrungen oder Ideen beim Umgang mit dieser Thematik! Bitte lasst uns Eure Gedanken unter Ethikkommission@coachfederation.de zukommen!

 

https://www.coachfederation.de/fileadmin/Ethikkommission/Ethikkommission_2019-22.JPG

 

Autor: Uwe Achterholt   Grafik: Doris van de Sand & radiomephisto.de

 


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