International Coach Federation Deutschland

“Play your Bigger Game” – spielerisch Veränderung gestalten

 

„Think big, act small, start now.”

Veränderung braucht Bewegung, neue Perspektiven und Austausch. Das Spielfeld dieses Tools symbolisiert unser Leben: Stell Dir vor, Dein Leben ist ein Spiel und Du befindest Dich immer auf einem der neun Spielfelder: Wo stehst Du gerade? Und wo würdest Du gerade gerne stehen? Schon diese beiden Fragen eröffnen eine neue Reflexion und einen tiefen Austausch über Wege zur Veränderung. Mich hat diese Idee auf den ersten Blick so begeistert, weshalb ich das Tool „Play your Bigger Game“ seit etwa drei Jahren gerne und häufig mit meinen Kunden einsetze.

Wie so oft im Coaching, zielt auch dieses Tool auf Veränderung und auf die Verwirklichung großer Träume und Ziele ab. „Play your Bigger Game“ – das ist der Name des Tools; gleichzeitig ist „Bigger Game“ das Synonym für unsere Ziele, Projekte und Träume, für „das Große“ in unserem Leben, wonach wir uns sehnen und was uns motiviert und Sinn gibt. Die amerikanischen Senior Coaches Rick Tamlyn und Laura Whitworth haben es gemeinsam auf der Basis ihrer Coachingerfahrung entwickelt. Es begeistert durch seinen spielerischen Ansatz sowie durch die Schlichtheit des Konzepts: „9 minutes to learn, a lifetime to live“ (Rick Tamlyn). Die Hauptziele des Ansatzes sind:

  • Uns selbst als „Bigger-Game-Player“ zu entdecken und persönliches Wachstum anzustoßen
  • Persönliche Sinnsuche zu fördern und in größeren Kontexten zu denken
  • Sich als Team über gemeinsame Ziele und Motivation auszutauschen und gemeinsam ins Handeln kommen
  • In Organisationen Veränderung anzustoßen und ihre Umsetzung erleichtern

Die Grundannahmen sind nicht neu; sie basieren auf bekannten Grundlagen der Veränderungspsychologie etwa von Kurt Lewin und John Kotter und der Motivationspsychologie von Daniel Pink. Das „Bigger Game“ besticht jedoch durch die originelle Umsetzung dieser Erkenntnisse auf einem Spielfeld mit neun Feldern, angelehnt an Spiele wie Twister, in denen wir uns gemeinsam mit anderen auf einem Spielfeld bewegen. Es ist zugleich ein Weg, der vom Fühlen über das Betrachten und Denken zum Handeln führt. Hier in aller Kürze die Bedeutung der einzelnen Spielfelder:

Wenn wir größere Ziele in unserem Leben erreichen wollen, brauchen wir Klarheit darüber, was uns fehlt („Hunger“) und was uns wirklich antreibt („Compelling Purpose“). Gleichzeitig müssen wir auch verstehen, was uns davon abhält, unsere Träume tatsächlich zu leben; das sind neben Ängsten und Zweifeln vor Unbekanntem auch unsere Routinen und Denkmuster („Comfort Zones“). Für die Umsetzung größerer Veränderungen benötigen wir einen klaren Blick und eine neue Perspektive darauf, wo wir stehen und wohin wir möchten („Assessment“). Ein wichtiger Aspekt bei allem Streben nach größeren Zielen ist zugleich der Blick auf eine nachhaltige und gesunde Umsetzung, die im Einklang mit unserem Leben steht („Sustainability“). Große Ziele können wir in der Regel auch nicht im Alleingang erreichen, weshalb wir nach Unterstützung von Verbündeten („Allies“) suchen. Häufig sind für die Umsetzung von Veränderung auch Investitionen in Form von Zeit, Geld, Engagement oder Fortbildung notwendig („Investment“). Wenn wir wirklich große Ziele anvisieren, bekommen wir manchmal Angst vor der eigenen Courage und wollen doch genau dorthin („Gulp“). Und natürlich steht im Mittelpunkt des Spielfelds die mutige Umsetzung, der nächste große Schritt auf dem Weg zu unserem „Bigger Game“ („Bold Action“). (Die Spielfelder und ihre Bedeutung werden von Rick Tamlyn sehr prägnant in kurzen Videos auf der Website erklärt, siehe www.biggergame.com).

Man kann auf vielfältige Weise damit arbeiten, je nachdem, ob man es im Einzelcoaching einsetzt, mit Teams oder in offenen Gruppen. In der Regel ist es sinnvoll, ganz kurz die Grundidee des Spiels zu vermitteln: Dein Leben findet auf diesem Spielfeld statt, alle Felder haben ihren Nutzen und tragen dazu bei, Veränderung zu leben; Du entscheidest selbst, wo Du stehst und wohin Du willst. Dann wird sehr kurz die Bedeutung der neun Spielfelder erklärt. Das genügt meist als Einführung, denn wenn man im Anschluss die Coachees oder auch ein ganzes Team einlädt, sich auf dem Spielfeld zu positionieren, passiert das in der Regel ganz intuitiv, und schon hat man einen guten Gesprächsanfang gefunden: Warum stehst Du auf diesem Feld, was sagt Dir das, wie fühlt sich das an, was wird Dir gerade klar?

  • Im Einzelcoaching bietet sich dieses Tool an, wenn jemand z.B. das Gefühl hat, festzustecken und nicht weiter zu kommen, wenn sich das Leben zu klein oder zu eng anfühlt, man diese Sehnsucht aber noch nicht genau benennen kann. Auch im Karrierecoaching kann es sinnvoll sein, mit dem „Bigger Game“ zu arbeiten, vor allem, wenn die Klienten sich an Hindernissen und Details festbeißen und sich nicht erlauben, „größer zu denken“.
  • In offenen Workshops mit Menschen aus verschiedenen Kontexten geht es ebenfalls um diese zentralen Fragen: Mir fehlt etwas in meinem Leben (z.B. ein tieferer Sinn, eine größere Aufgabe), ich weiß aber nicht genau, was das ist. Oder: Ich habe einen Traum, weiß aber nicht, wie ich ihn umsetzen soll. Oder: Ich möchte persönlich wachsen, Ängste abbauen und ins Handeln kommen. Das alles sind gute Ausgangspunkte, um mit dem „Bigger Game“ zu arbeiten. In diesem Format entsteht meist eine spielerische Dynamik zwischen den Teilnehmenden, die sich im Laufe des Workshops allmählich zu „Bigger Game Playern“ entwickeln und beginnen, sich auf der Suche nach „Allies“ gegenseitig zu unterstützen.
  • Für Teams und Organisationen gelten ähnliche Ausgangsfragen wie im Einzelcoaching; hier liegt der Fokus jedoch klar auf der Teamdynamik und dem Wunsch, gemeinsam etwas zu verändern (Wir kommen nicht weiter, die Arbeit ist langweilig und macht keinen Spaß, wir können die geplanten Veränderungen nicht umsetzen etc.). Möglich sind auch andere Themen, wie etwa der Wunsch nach einer Vision oder einem neuen Leitbild.  

Dieses Tool ist im Einzelcoaching recht einfach einsetzbar, wenn man die Grundbedeutungen der Spielfelder erkennt und mithilfe der Spieldynamik mit dem Coachee an verschiedenen Punkten in ein Thema einsteigen kann. Für den Einsatz mit Teams und Gruppen ist eine Zertifizierung erforderlich. Neben dem eigentlichen Training für verschiedene Workshop-Formate gibt es darüber hinaus das so genannte „Playbook“, d.h. ein Arbeitsbuch mit Übungen, Fragen und Anregungen für die Teilnehmenden sowie Hinweise zum Einsatz verschiedener Zusatzmaterialien.

Rick Tamlyn und Laura Whitworth haben mit ihrem Ansatz das Rad gewiss nicht neu erfunden. Der besondere Reiz dieses Tools liegt für mich in der Möglichkeit, mithilfe des Spielfelds und der dazugehörigen Übungen viel mit Bewegung und Perspektivwechsel zu arbeiten; die Reihenfolge in der Bearbeitung der verschiedenen Spielfelder kann dabei spontan variieren. Egal wo man steht und beginnt, das Spielfeld stößt Bewegung und Veränderung an. Es schafft einen guten Rahmen, um in Teams schnell über Wesentliches in einen guten Austausch zu kommen.

Mein persönliches Bigger Game ist es derzeit, dieses Tool in Deutschland bekannter zu machen und es überall dort einzusetzen, wo sich Menschen auf den Weg machen, über sich hinauszuwachsen und ihrem Leben mehr Sinn zu geben. Gerade in internationalen Arbeitskontexten ist es mir ein Anliegen, mehr spielerische Leichtigkeit in die Bearbeitung ernster und wichtiger Themen zu bringen. Veränderung darf Spaß machen.

Quellen:

www.biggergame.com

Rick Tamlyn (2013): Play your Bigger Game. 9 minutes to learn, a lifetime to live. Hayhouse.)

Autorin:

Dr. Dorothee Kaiser ist ICF-zertifizierter Coach (PCC). Sie arbeitet in vier Sprachen und begleitet Führungskräfte und Teams in Veränderungsprozessen, vor allem in internationalen Kontexten. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind internationale Teamentwicklung, Diversity, interkulturelle Kommunikation und Konfliktmanagement, Frauen in Führung. Sie ist die erste und bislang einzige zertifizierte Bigger-Game-Trainerin in Deutschland.

 

Kontakt: dk@dorotheekaiser.com, www.dorotheekaiser.com

 

Das nächste Event zum „Bigger Game“ findet statt am 6. April 2022 statt und wird vom ICF Chapter Mannheim organisiert.

 

Autorin: Dorothee Kaiser  Foto: Dorothee Kaiser


coachfederation.de  |  coachingtag.com

ISSN: 2702-7880

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